Chihuahua Merle

Merle-Information

Chihuahua Merle

Letzte Aktualisierung: 16.11.14

Über die Farbvariante Merle

Aussehen

Die Merle-Färbung tritt bei einer Vielzahl von Hunden auf (Collies, Doggen, Schelties, usw.) und wird durch eine dominant vererbte Gen-Mutation hervorgerufen.
Das Merle-Gen verursacht ein marmoriertes Muster in den Bereichen, in denen die Fellfarbe des Hundes durch Eumelanin (schwarz) bestimmt wird. Auf Fellregionen die durch Phäomelanin (creme, rötlich oder gelblich) bestimmt werden, wirkt sich der Merle-Faktor nicht aus. Hierdurch ist Merle am besten auf schwarzen Fellregionen zu erkennen. Aber auch auf wildfarbenen (rötlichen Bereichen mit schwarzen "Spitzen") Bereichen ist Merle durch eine, wenn auch schwache, merletypische Schattierung zu erkennen. Dies wird häufig „red-merle“ genannt. Achtung: Auch schoko-merle wird häufig als „red-merle“ bezeichnet.

Dass die Augenfarbe an das Merle-Gen gekoppelt ist, wie häufig im Internet behauptet wird, ist nach unseren Beobachtungen FALSCH. Richtig ist wohl, dass durch die Merle-Färbung auch die Augen aufgehellt (sprich blau) werden. Da die Merle-Färbung aber zufällig verteilt ist, können die Augen eines Merle-Tieres sowohl braun, blau, gemischt-farbig („bunt“) oder sogar jeweils mit unterschiedlichen Farben sein.
Dass die Augenfarbe blau bei Merle-Tieren also etwas besonderes ist, wie einige Verkäufer in ihren Anzeigen behaupten, ist also falsch.

Zudem muss nicht jedes Tier mit Merle-Gen auch eine Merle-Zeichnung im Fell aufweisen, selbst wenn die Grundfarbe Schwarz bzw Schoko ist. Solche Merle-Tiere werden kryptische Merle Tiere bezeichnet, andernorts auch Merle-Genträger bezeichnet. Genetisch (im Bezug auf das Merle-Gen) unterscheiden sie sich jedoch nicht von den Merle-farbenen Tieren.

Aus diesem Grund sollte man von jedem Tier aus einer Merle-Verpaarung annehmen, daß es ebenfalls Merle-Träger ist, selbst wenn sich die charakteristische Fellzeichnung nicht ausgeprägt hat.

Herkunft

Die Herkunft des Merle-Gens ist ungewiss. Am wahrscheinlichsten ist, dass diese Mutation über andere Rassen eingekreuzt wurde. Dies ist wohl auch der Grund, warum Merle-Chihuahuas von einigen Personen auch als Mischlinge bezeichnet werden.

Hier sollte man aber bedenken, daß die ursprünglichen Chihuahuas alle kurzhaarig waren. Die langhaarigen Chihuahuas sind ebenfalls durch Einkreuzung entstanden.

Auch mittlerweile anerkannte Varianten wie z.B. gestromt sind sehr wahrscheinlich über andere Rassen eingekreuzt worden. Dies ist allerdings schon einige Generationen länger her, so daß Tiere mit diesen Merkmalen eher dem Chihuahua-Standard entsprechen und nicht wie beispielsweise zur Zeit noch bei  einigen der Merle-Tiere eine verhältnismässig lange Nase haben. Daß Merle-Chihuahuas generell nicht so typvoll sind, wie die nicht Merle-Farbenen Tiere, ist allerdings ein Gerücht.

Hier Bilder von Ricco, einem wunderschönen Merle-Chihuahuarüden

Chihuahua in blue-Merle

Gesundheit

Zunächst sollte darauf hingewiesen werden, daß bei der Diskussion um die Gesundheit von Merle Tiere zwei unterschiedliche Vererbungen berücksichtigt werden sollten:
reinerbige und mischerbige Merle-Tiere.

mischerbige

Hunde, welche nicht reinerbig Merle sind, haben aufgrund ihres Merle-Gens üblicherweise keinerlei Beeinträchtigung (d.h. sie werden nach unserer Erfahrung im Vergleich zu "normalen" Tieren nicht öfter krank und haben auch keine anderen Probleme).

reinerbige

Reinerbige Merle-Hunde weisen häufig Taubheit und/oder Mißbildungen der Augen auf. Eine Verpaarung, welche solche Tiere hervorbringen kann, ist also auf jeden Fall zu vermeiden (siehe auch Qualzucht). Hierzu sollten keine zwei Merle-Tiere (auch keine kryptischen Merle-Träger) verpaart werden. Nur so wird sichergestellt, daß nur mischerbige Tiere geboren werden.

Zuchtprobleme

Ein verantwortungsvoller Züchter wird kein Tier aus einer Merle-Verpaarung mit einem weiteren potentiellen Merle-Träger verpaaren, um die Probleme von reinerbigen Merle-Tieren zu vermeiden.
Es besteht mittlerweile die Möglichkeit, Tiere auf das Merle-Gen testen lassen, um zweifelsfrei ausschliessen zu können, daß ein Tier ein Merle-Träger ist. Somit kann ein verantwortungsvoller Züchter eine doppel-Merle Verpaarung garantiert ausschliessen. Leider sparen sich verantwortungslose Züchter den zusäzlichen Aufwand und Kosten, und nehmen damit das Risiko kranker Welpen bewusst in Kauf.

Gedanken zur Merle-Zucht

Die Diskussion um das pro und contra der Merle-Zucht ist seit einiger Zeit hoch im Gange. Die Zucht von Tieren mit einem Gen-Defekt (als solches wird das Merle-Gen bezeichnet) aus estätischen Gründen wird des öfteren scharf verurteilt.

Die Tatsache, daß reinerbige Tiere häufig Mißbildungen haben, ist nicht zu leugnen. Daher ist es um so wichtiger, daß bei einer Merle-Zucht streng kontrolliert wird, welche Tiere verpaart werden und der Züchter mit einer hohen Verantwortung bei der Zucht mit dieser besonderen Farbe vorgeht. Wie erwähnt ist nicht immer offensichtlich, ob ein Tier das Merle-Gen trägt oder nicht. Im Zweifelsfall sollte ein Tier aus einer Merle-Verpaarung als Merle-Tier behandelt und entsprechend der Verpaarungspartner ausgewählt werden.

Bei Merle kennen viele Züchter nicht die Regeln, nach welchen man einen Verpaarungs-Partner auswählen sollte. Wenn nach einer falschen Verpaarung nun kranke Welpen auf die Welt kommen, liegt dies zu einem großen Teil an der Unwissenheit der Züchter, nicht an der Merle-Farbe an sich. Problematisch sind hier die "Hinterhof"-Züchter, welche ohne Erfahrung und ohne Plan Tiere verpaaren. Das bei solchen Verpaarungen schnell kranke Tiere geboren werden, sollte jedem einleuchten.

Andere "besondere" Farben

Man sollte bedenken, daß auch Farbgebungen wie z.B. Schoko und Blue genau genommen durch einen Gen-Defekt hervorgerufen werden. Diese beiden Farben werden nicht verurteilt, es gibt mittlerweile sogar reine Schoko-Zuchten, wo über Generationen nur mit Schoko-Tieren gezüchtet wurde.

Auch die Schecken (Tiere mit weissen Flecken) leiden genau genommen an einer schwachen Form des Albinismus. Gescheckte Hunde sind aber weitläufig akzeptiert, ein Teil der Chihuahua-Züchter legt es sogar darauf an, sogenannte Extrem-Schenken (Tiere mit besonders viel weiss) zu züchten. Die gesundheitlichen Folgen bei diesen Extrem-Schecken können u.a. bei reinerbigen Schecken auch Blindheit und Taubheit hervorrufen.

 

Bei den ganzen Diskussionen um und über Merle und deren Verteufelung als "Qualzucht" fragen wir uns immer wieder, ob auch bei anderen Hunderassen so ein Augenmerk auf die Genetik gelegt wird. Als Beispiel möchten wir hier nur die Nackthunde-Rasse der "Chinese Crest" anbringen. "Gesunde" Nackthunde sind nur bei gemischten Genen zu erwarten, und auch von der Vererbung verhält sich das "nackt"-Gen wie das "Merle"-Gen. Um "reinerbig nackte" Hunde zu vermeiden, müsste also ein Träger mit einem "normalen" Hund (sog. Powder Puffs) verpaart werden (wie Merle mit Non-Merle). Hier würde dann aber in den Würfen statistisch eine Quote von einem nackten Hund auf einen behaarten Hund entstehen. Die nackte Variante ist aber begehrter. Also werden nur die nackten Hunde miteinander verpaart, wodurch statistisch 2 erwünschte Nackthunde auf einen sogenannten Powder Puff in den Würfen sind. Zudem allerdings auch ein Reinerbiger. Reinerbige "Nackt"-Tiere sind allerdings nicht überlebensfähig und werden bereits im Mutterleib zurückgebildet (d.h. der Embryo stirbt ab und wird vom Muttertier absorbiert). "Vorteil" für den Züchter ist, dass er die mißgebildeten (und toten) Welpen nicht zu Gesicht bekommt.
Witzigerweise umgehen verantwortungsvolle Merlezüchter durch die gezielte Verpaarung genau diese Probleme, werden aber dennoch teilweise massiv verteufelt.

Wir sind nicht gegen die Zucht von Merle-Tieren und den anderen "besonderen" Farben (züchten sogar selbst mit diesen Farbschlägen), fordern aber einen verantwortungsvollen Umgang und:

Aufklärung statt Tabuisierung!

 

Weitere Informationen:

Merle (Firma Bio-Focus, Genlabor)

Genetik Nackthunde